Schafe und Ziegen

Dermoplastiken und Schädel von Argali aus Zentralasien (links) und Urial aus Südwestasien (rechts)

 

Die Domestikation (Haustierwerdung) der Schafe und die Kreuzungsversuche standen im Vordergrund der Exkursion. Der erste  Ausstellungsraum ist Julius Kühns Lieblingstieren, den Schafen, gewidmet. Kühn beschaffte Wildschafe verschiedener Herkunft, um durch Kreuzungsversuche die Abstammung der Hausschafe zu klären. So wurden z.B. Mufflons von Korsika und Sardinien, Argalis aus Zentralasien und Urials aus Südwestasien von Kühn beschafft. 

Dermoplastiken von Kreuzung Rambouillet und Urial (links) und Argali weiblich (rechts)

Um die Abstammung und den Verwandtschaftsgrad  zu klären, kreuzte Kühn Wildschafe untereinander sowie mit verschiedenen Hausschafen. Aus dem Grad der Fruchtbarkeit können Rückschlüsse auf die Blutsverwandtschaft gezogen werden. Die Erzeugung fruchtbarer Nachkommen deutet auf Artidentität; unfruchtbare Nachkommen oder eingeschränkte Fruchtbarkeit lassen auf Artverschiedenheit der Eltern schließen.

Kühn erzielte in seinen Kreuzungsversuchen in allen Fällen fruchtbare Nachkommen. Damit hielt er es für wahrscheinlich, dass die zu seiner Zeit bestehende Einteilung in über 20 Wildschafarten sich auf einige wenige Arten reduzieren lässt. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts hielt sich die Ansicht der polyphyletischen Abstammung des Hausschafes. Erst danach setzte sich die Erkenntnis durch, dass als wichtigste Stammform unserer Hausschafe südwestasiatische Wildschafe in Betracht kommen.

Obwohl die Wildschafe äußerlich sehr verschieden sind und deshalb früher zu verschiedenen Arten gezählt wurden, werden sie heute nur noch zu einer Art -Ovis ammon- gerechnet. Diese Art unterteilt sich in mehrere Unterarten(ca. 30), die über weite Gebiete der Nordhalbkugel verbreitet sind.  Durch die Erzeugung fruchtbarerer Nachkommen bei der Kreuzung verschiedener Wildschafgruppen und zwischen Hausschafen und Wildschafen wurde der Nachweis erbracht, dass alle Wildschafe biologisch zu einer Art gezählt werden können. Das Hausschaf ist somit monophyletischen Ursprungs.  

Kreuzungen zwischen Somalischaf aus Afrika mit Merino-Fleischschaf und Rhönschaf dienten der Vererbungslehre nach Mendel

Vielhornigkeit bei Schafen: Vierhorniger Schädel (oben) und Schädel eines Maurischen Landschafes (unten) mit vier Hörnern

Skelett eines dreihornigen Ziegenbockes